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Robert Enke - persönliche Gedanken  
Geschrieben von Elke_Doebbeler am Montag, 16. November 2009

Alemannia Aachen Lange habe ich mir überlegt, ob ich zu diesem "Top-thema" ein Statement schreiben soll, oder nicht,
Aber inzwischen gehen mir dazu viel zu viele Gedanken durch den Kopf...
Als selbst von Depressionen betroffenden, will ich nun doch meine Gedanken mitteilen....
Warum musste es so weit kommen?
Welche Möglichkeiten und Chancen hatte er überhaupt?


Er hätte sich z.B. outen können, wie Sebastian Deissler. Aber was hat das dem Herrn Deissler wirklich gebracht? Gut er ist seinen Weg gegangen und hat Erfolge erzielt. Aber für seine Karriere war es schwer.
Ich kann mir das gut vorstellen -  das Gefühl jetzt unter extremer Beobachtung zu stehen. Ging mir selber doch nicht anders. Das Geständnis war immer im Kopf, und immer die Frage, wie geht er damit um.
Ich hatte eine ähnliche Situation in der Schule, als ich aufgefallen war. Ich fühlte mcih beobachtet. Und immer wieder, wenn der Lehrer, der mich angesprochen hatte, in der Nähe war, miemte ich einen auf fröhlich und keine Probleme habend. Ein Scheiß Gefühl und irre anstrengend.
Und unter solch einer Situation Hochleistung bringen?
Trotzdem, ich finde die Reaktion von Herrn Deissler zu dem Zeitpunkt sehr mutig, sehr gut und vorbildlich.

Wirklich nachempfinden kann ich es wohl auch nicht. So schlimm sind meine Depressionen zum Glück nicht. Nur ein mal hatte ich es echt schlimm. Da war ich für den Tag fertig, wenn ich nur das Frühstück gemacht hatte, Und das ich, der ich normalerweise fünf Dinge gelichzeitig erfolgreich erledigt hatte. Ein Geschenk für meinen damaligen Mann heimlich zu besorgen, galt schon als Erfolgserlebnis und verbrauchte die Kraft für den ganzen Tag.
Dabei hatte ich damals noch Glück -  es war eine Zeit, in der ich so wenig fühlte, dass ich es noch nicht einmal für unerträglich empfunden hatte, ich habe mich nur gewundert. Und mein Glück war, dass ich sehr schnell einen Platz in einer Klinik bekam. Mein größeres Glück war, dass mit der Ankunft in der Klinik, die graue Wattewolke wieder weg war und ich mich wieder aufbauen konnte.

Weitaus schlimmer empfinde ich Zeiten, in denen ich arbeiten will und leben will und die Wolke alle Lebensfreude bekämpft. Wenn all das, woraus ich sonst Kraft, Energie und Freude schöpfen kann, verschwindet. Wenn all das keine Freude mehr macht und die Batterie nicht mehr auflädt. Alles zerrinnt zu einem unerträglichen Einerlei. Kein Horizont ist in Sicht. Auch mir kamen da früher oft Gedanken an Selbstmord.

Für einen Nicht-Betroffenen ist dann logisch, dass Ärzte helfen können, wenn man denn hingeht.
Wenn es so einfach wäre.
Meine Erfahrung ist da eine andere:
In der Therapie ist es schwierig darüber zu reden, wenn man es dann erst mal selber gemerkt hat. Vorher gibt es ja keinen Grund dazu. Dann gibt es ja noch die Medikamente. Für mcih selbst, gab es bisher keine, die wirklich geholfen haben. Wohl welche, die das schlimmste wegnehmen und einen weiter leben lassen. Aber Wundermittel waren keine dabei.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass Baldrian und Johanniskraut besser helfen und weniger Nebenwirkungen haben.

Und die letzten Erfahrungen waren noch schlechter. Mir ging es erst noch schlechter wie vorher. Das Herausfinden der richtigen Medikamente ist ein Experiment an sich. Und noch schlimmer, wenn man körperliche Hochleistung erbringen muss.
Was nutzen da Medikamente, die einen müde machen, die eine laufend zum Gähnen bringen bis dass man das Gefühl hat, brechen zu müssen, die dazu führen, dass es einem schlecht ist, das man nichts mehr runter bringt.

Und trotzdem würde ich bei einem Rückfall immer wieder das Experiment Medikamente wagen.

Aber zurück zu Robert Enke: Er war Sportler. Normalerweise produziert Sport Endorphine, die eine Depression hemmt. Wie schlimm muss seine Depression gewesen sein, dass er trotzdem diesen Weg gegangen ist?

Und wie allein muss er sich gefühlt haben, in einer Welt, in der nur Gesundheit, Stärke und Sieg gilt? Schwäche, Depression oder auch anders sein, wie z.B: auch Homosexualität (ok ist eine andere Baustelle) machen den Teamkollegen Angst und füren zum Ausschluß. Und dazu die private superGau-Katastrophe ein Kind verloren zu haben.
Wie allein muss er sich gefühlt haben. Wo kann er noch einen Weg einen Ausweg gesehen haben.

Dass keiner was gemerkt hat, wundert mich nicht. Man wird zum Schauspieler, wenn man so eine Krankheit hat. Sobald das Scheinwerferlicht oder die Aufmerksamkeit auf einen ruht, mobilisiert man die letzten Reserven und zeigt die starke Seite. Man glaubt sogar selber daran. Der Preis dafür ist, dass man hinterher umso mehr in das tiefe Loch fällt und es selber nicht versteht, da man doch nach außen alles hat.

Wenn ich mich in Robert Enke rein versetze, weiß ich nicht, ob ich einen anderen Ausweg gesehen hätte. Außer dass ich es wahrscheinlich nie geschafft hätte, mich vor einen Zug zu werfen.

Und das ist das tragische daran. Wo war der Ausweg? Ixh persönlcih hatte und habe immer noch eine reichhaltige Portion Lebensfreude und Neugierde dagegen zu sezten. Aber, was, wenn es die nicht gäbe?


Den Trubel um den Freihtod sehe ich sehr zwiegespalten. Die meisten, die heute so geschockt sind, hätten ihm keine Chance gegeben, wenn er sich geoutet hätte, sie hätten ihn beobachtet, wie einen Aussätzigen. Nicht weil sie gegen ihn wären, sondern weil diese Krankheit Angst macht und für einen Nicht-Betroffenen so schwer zu verstehen ist.
Hätte er sich geoutet, oder hätte er Hilfe gesucht, wäre all dieses geschockte Mitgefühl mit seinem Tod wahrscheinlich nur Mißtrauen und Verachtung gewesen, weil wir einfach nicht wissen, wie Depressionen funktionieren und uns einfach nicht hineinversten können und auch nicht wollen.

Seiner Frau spreche ich mein tiefes Mitgeühl aus. Ich selbst an ihrer Stelle hätte nicht die Kraft gehabt, das so offensif anzugehen.
Auch hatte ich meine Zweifel, ob das in dem Ausmaß gut ist, aber das Ergebnis gibt ihr recht, Hut ab, vor diesem Mut und dieser Kraft.

Robert Enke - persönliche Gedanken

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